Naturfotografie ist für mich auch die Beschäftigung mit sich selbst. Denn Natur ist allgegenwärtig. Erst wenn man sich mit sich selbst und der eigenen Sichtweise beschäftigt, wird einem die Natur der Dinge bewußt.
Für viele mag ein Spaziergang am Sonntag durch einen Park oder den Wald eine angenehme Erholung vom Alltag sein. Man freut sich an der Sonne und dem Singen der Vögel. Viele gehen auch ins Gespräch vertieft einfach durch die Landschaft, ohne sie indes wirklich wahr zu nehmen.
Als Naturfotograf sehe ich dagegen das Gewölbe der Baumwipfel über dem Weg, die mit dem Teleobjektiv verdichtete Wand aus Stämmen eines Buchenwaldes, den Käfer, der seinen Kopf in die Blütenkörbe der Schafsgarbe versenkt oder das scheue Reh, dessen Kopf aus eine Wiese heraus ragt.
Aus dem Ganzen werden für den Fotografen einzelne Bestandteile. Er kann nicht die Symphonie von Gerüchen, Lauten, Geschmäckern und Licht auf sein Bild bannen. Er kann auch nicht die Dreidimensionalität perfekt wiedergeben. Deswegen schränkt er sich ein, sucht nach dem Besondern, dem Außergewöhnlichen oder Überraschenden. |
Und so folgt aus dieser scheinbar aufgezwungenen Beschränkung eine viel bewußtere Betrachtung der Umwelt. Der spätere Betrachter des Fotos hat nicht das Gesamtbild zur Verfügung, um den Eindruck des Fotografen nach zu empfinden. Darum muß das Bild es dem Betrachter erleichtern, sich darin zu Recht zu finden. Das gelingt am besten, wenn auch der Aufnehmende in dem Bild die Stimmung wieder findet, die er im Augenblick des „Abdrückens“ hat. Erst wenn das Bild und mein Gefühl „stimmig“ sind, ist das Ergebnis in den meisten Fällen ein Bild von außergewöhnlicher Qualität.
Das gelingt nicht immer und oft werden die vielfach vom Fotografen unbeeinflussbaren Randbedingungen es nicht leichter machen. Fehlendes Sonnenlicht, heftiger Wind oder sehr scheue Tiere können es bisweilen unmöglich machen, dass gewünschte Bild zu erhaschen. Auch habe ich nicht immer ein Stativ dabei, weil ich neben dem Fotografieren vor allem gerne Wandere. Da muß es dann oft das „Einbein“ richten mit der Einschränkung, gerade bei langen Brennweiten ein Bild auch mal zu verwackeln. Ein Kompromiss, den man als Hobbyfotograf eingehen kann, wenn man dazu bereit ist, auch mal ohne „Trophäe“ nach Hause zu kommen. |